Wiesen-Löwenzahn – Taraxacum officinale
Pflanzenaufbau & Erkennungsmerkmale
Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) und ist eine mehrjährige Pflanze. Von Ende März bis Mai schmücken seine sonnengelben Blütenköpfe Gärten, Wegränder und Wiesen. Die Korbblüten bestehen aus rund 200 Zungenblüten und sitzen auf einem blattlosen, leicht behaarten, hohlen Stängel, der mit einem Milchsaft gefüllt ist und bis zu 30 cm hoch wird. Zuerst bilden sich die Knospen in der Mitte der Blattrosette, dann erst entwickelt sich der Stiel, am Ende öffnet sich die Blüte. Verblüht diese, bildet der Löwenzahn zahlreiche Samen mit Schirmchen, Pappus genannt, die durch den Wind weggetragen werden. Das kann bis zu 15 km weit sein. Im Boden verankert ist die Pflanze mit einer bis zu ein Meter langen Pfahlwurzel.
Die Blätter sind dunkelgrün, tief eingeschnitten und gezähnt. Sie wachsen als Rosette am Boden. Je härter die Umweltbedingungen, desto gezähnter das Blatt.



Sammeln & Trocknen
Die Blüten können ab Ende März gesammelt werden. Am besten verwendest du sie frisch und machst daraus einen Löwenzahnsirup. Die getrockneten Blüten können aber auch für Tees verwendet werden. Allerdings schließen sich die Blüten beim Trocknen.
Auch die Blätter und die Wurzel der Pflanze können gesammelt und sowohl frisch als auch getrocknet verwertet werden. Sammle eher die kleinen Blätter, vor allem, wenn du sie für Salate, Suppen und Aufstriche verwenden möchtest, je größer desto bitterer. Getrocknet sind die Blätter ein Muss für jeden Leber-, Galle- und Entschlackungstee.
Die Wurzel kann im Frühjahr und Herbst ausgegraben werden, im Herbst ist der Inulingehalt am höchsten. Im Frühjahr ist der Bitterstoffgehalt am höchsten.

Inhaltsstoffe & Wirkungsbereich
Taraxacum officinale ist einer der wichtigsten Entgiftungspflanzen. Sie enthält Bitterstoffe, Mineralstoffe (Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor), Flavonoide, Inulin und unglaublich viele Vitamine (A, B, C, D) – der Vitamin A Gehalt ist sogar noch höher als der von Karotten und Spinat.
Löwenzahnblätter wirken stark harntreibend, entziehen dem Körper dabei aber nicht zu viel Kalium, weil die Pflanze selbst so viel enthält, dass sie den Verbrauch ausgleicht. Die Bitterstoffe regen Leber und Galle an und helfen so bei der Entgiftung. Außerdem wird der gesamte Stoffwechsel angekurbelt. Kalzium und Kalium unterstützen die Knochen. Flavonoide hemmen freie Radikale. Deshalb wird die Pflanze so gerne in Frühjahrskuren verwendet. Gerade nach den weihnachtlichen Feiertagen und dem winterlichen schweren Essen, freut sich der Körper über Entgiftungsunterstützung.
Kulinarischer Einsatzbereich
Kulinarisch ist der Löwenzahn vielseitig einsetzbar. Die Knospen können als falsche Kapern eingelegt werden. Die Blüten können zu Sirup, Gelee, Likör und Wein verarbeitet werden. Auch Honig kann mit den Blüten versehen werden. Die Blätter sind in jedem Salat ein Muss. Die herbe Note gibt dem Ganzen einen frischen Kick. Sie können auch in Suppen, Aufstrichen und Tees verwendet werden. Die Wurzel kann getrocknet und gemahlen als Kaffeeersatz dienen, das habe ich allerdings noch nie probiert.
Was super einfach selbst hergestellt werden kann mit einer Löwenzahnwurzel sind Bittertropfen. Dazu gibt es demnächst ein Rezept.

Hier geht es zum Löwenzahnsirup-Rezept
Geschichte, Mystik & Brauchtum
Weil die Pflanze stark harntreibend wirkt, wird sie im Volksmund auch Pisskraut genannt. Warum sie auch Pusteblume genannt wird, ist selbsterklärend, wie schön es immer ist, die kleinen Fallschirme durch die Luft fliegen zu lassen.
Damals glaubte man, dass ein Amulett mit der Wurzel der Pflanze Augen und Zähne schützt. Auch in das Wegpusten der Fallschirmchen hat der Volksmund viel hinein interpretiert. So sollen die übrig bleibenden Fallschirme auf die Jahre deuten, bis man heiratet. Pustet man allerdings, während man sich auf einem Friedhof befindet, sind die übrig bleibenden Fallschirme die Jahre bis zum Tod.
Nichts am Löwenzahn ist giftig und doch heißt es immer wieder, dass der Milchsaft so gefährlich sei. Inzwischen munkelt man, dass Eltern ihren Kindern das eingeredet haben, um sie davon abzuhalten, mit der Pflanze zu spielen, denn der Milchsaft bildet braune, klebrige Flecken, die von der Kleidung so gut wie gar nicht rauszubekommen sind. Als man zur damaligen Zeit die Wäsche noch per Hand gesäubert hat, war es noch unmöglicher.
Dabei kann man mit dem Löwenzahn so fantastisch spielen. Man kann sie als Farbstempel nutzen, Kränze binden, die Samen wegpusten und vieles mehr.
Umwelt-Aspekte
Mit Löwenzahnblättern kann eine Jauche angesetzt werden. Verdünnt 1:5 mit Wasser unterstützt sie das Wachstum und stärkt die Pflanzen. Außerdem lockert die Wurzel der Pflanze den Boden auf und bietet Nützlingen wie Regenwürmern einen Zufluchtsort unter der Erde.
Für Larven, wie die des Ampfer-Wurzel-Bohrers, ist die Wurzel eine wichtige Nahrungsquelle. Die Löwenzahnblüten sind vor allem für Bienen ein Festmahl. Aber auch verschiedene Käfer werden von den Blüten angezogen, wie der Rapsglanzkäfer. Die Samen sind wiederum ein Schmaus für Vögel.