Lavandula angustifolia – Echter Lavendel
Pflanzenaufbau & Erkennungsmerkmale
Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) gehört zur Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Es gibt rund 30 Arten in der Gattung Lavandula.
Er wächst als bis zu 70 cm hoher, buschiger, immergrüner Halbstrauch. Auf den aufrechten, leicht behaarten, grünen Stängeln sitzen die wunderschönen lilafarbenen Lippenblüten, die sich aus Ähren bilden und in Quirlen angeordnet sind. Die Triebe verholzen am Grund. Die Blätter sind linear, ganzrandig und sitzen gegenständig am Stängel.
Sammeln & Trocknen

Die Blüten des Lavendels werden am besten vormittags zwischen 10 und 11 Uhr an einem sonnigen Sommertag gesammelt. Hier ist der Anteil des ätherischen Öls am höchsten. Dabei können die Stängel abgeschnitten und zusammengebunden werden und anschließend kopfüber zum Trocknen aufgehängt werden. Ist die Pflanze getrocknet, können die Blüten abgerubbelt werden.
Inhaltsstoffe & Wirkungsbereich
Der Echte Lavendel enthält unter anderem Cumarine, Flavonoide und Rosmarinsäure. Der wohl wichtigste Inhaltsstoff ist das ätherische Öl, der sich wiederum aus 160 unterschiedlichen Inhaltsstoffen zusammensetzt. Wird dieses ätherische Öl eingeatmet, gerochen oder über die Haut einmassiert, stimuliert es über den Raphus nucleus (=Raphe-Kerne, die an der Mittellinie des Hirnstamms, dem vegetativen Nervensystems liegen) die Ausschüttung von Serotonin, was die beruhigende, schlaffördernde und angstlösende Wirkung des Lavendels erklärt.
Naturkosmetischer Einsatzbereich
Der Lavendel ist wahrscheinlich die Pflanze mit den vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten in der Naturkosmetik. Man kann damit Seife machen, Badesalz, Peelings, Bodylotion, Gesichtscremes, Duftsprays, Massageöl, Haarspülungen und noch viel mehr. Nicht nur weil die Pflanze unfassbar gut riecht, sondern auch weil sie beruhigend und insektenabweisend wirkt, ist sie so wichtig in der Naturkosmetik. Gegen Läuse hilft beispielsweise eine Haarpackung mit Olivenöl und ätherischem Lavendelöl.

Kulinarischer Einsatzbereich
Auch im kulinarischen Bereich ist Lavandula angustifolia nicht wegzudenken. Ein Sirup oder ein Likör aus den Blüten verleiht jeder Limonade und jedem Cocktail das gewisse Etwas. Lavendelgelee ist sowohl auf Toast als auch in Kuchen und Keksen ein Genuss. Die Pflanze ist auch in Gewürzmischungen ein fester Bestandteil, beispielsweise in der französischen “Kräuter der Provence” und der marokkanischen “Ras el Hanout”.
Geschichte, Mystik & Brauchtum
Der Lavendel hat seinen Namen vom lateinischen Wort “lavare”, was waschen bedeutet. Schon daher kann seine Bedeutung im gesamten Hygiene- und Beautybereich abgeleitet werden. Schon die Römer wussten den Lavendel in ihren Bädern zu schätzen. In Wien gab es eine Zeit, in der eigene “Lavendelweiber” umherzogen und Lavendelsträußchen für die Wäsche verkauften.
Erst im 20. Jahrhundert wurde die gesundheitliche Relevanz des Echten Lavendels von René-Maurice Gattefossé und Jean Valnet glaubwürdig an die breite Masse gebracht. Gattefossé ist zufällig während eines Arbeitsunfalls auf die schmerzstillende Eigenschaft des Lavendels gestoßen. Er verbrannte sich und tunkte seine Hand in die nächstgelegene Flüssigkeit – Lavendelöl. Der Schmerz verschwand und es bildete sich keine Narbe. Valnet behandelte darauf aufbauend die Verbrennungen und andere Verletzungen Verwundeter im Zweiten Weltkrieg.
Der Lavendel ist auch eine sehr angenehme Räucherpflanze. Die Blüten können in jegliche Räuchermischungen hinzugefügt werden und der Stängel kann sogar als Räucherstäbchen verwendet werden. Die Pflanze soll die Luft desinfizieren und säubern, Ruhe und Gelassenheit schenken und die Intuition stärken.
Umwelt-Aspekte
Die ätherischen Öle der Pflanzen sind für viele Insekten ein absoluter Graus. Wenn man die Umwelt schonen, sich aber trotzdem vor manchen Insekten schützen möchte, kann man einen Insektenschutz-Spray mit Lavendelöl herstellen. Auch Lavendelsäckchen zwischen der Kleidung oder auch Büchern helfen dabei, Motten fernzuhalten.
Im Garten hilft der Lavendel, Rosen und Tomaten vor Läusen zu schützen.