Schwarzer Holunder – Sambucus nigra

Pflanzenaufbau & Erkennungsmerkmale

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) gehört sowohl zu den mehrjährigen Sträuchern, als auch zu den Bäumen – das kommt ganz darauf an, wie groß er wird. Bleibt er unter 3 m und bildet keine Krone oder verholzten Stamm aus, dann wird er den Sträuchern zugeordnet, andernfalls den Bäumen. Die Pflanze gehört zu den Moschuskrautgewächsen (Adoxaceae), früher wurde er den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) zugeordnet und wächst vorwiegend an Waldrändern, Hecken, Lichtungen und an Schuttplätzen.

Von Mai bis Juli zeigen sich die weißen Blüten, die in 10-25 cm großen Rispen angeordnet sind. Sie riechen fantastisch und leiten den Sommerbeginn ein. Aus den Blüten bilden sich ab August schwarzviolette Steinfrüchte, die auf roten Stielen sitzen. Auf den Ästen sitzen gestielt, gegenständig, unpaarig gefiederte Blätter mit 5 bis 9 einzelnen Fiederblättchen. Die Fiederblättchen sind wiederum elliptisch geformt, hellgrün, leicht behaart und ungleichmäßig gesägt. Die Rinde ist graubraun und rissig.  

Holunderblüte

Sammeln & Trocknen

Die Holunderblüten können ab Mai gesammelt werden, achte dabei darauf, dass keine Läuse darauf sitzen. Schneide dafür die Blüten so weit oben wie möglich am Stiel ab. Entweder du verarbeitest sie direkt oder du trocknest sie kopfüber auf einer Küchenrolle, an einem schattigen, trockenen Ort. 

Die Holunderbeeren kannst du ab Ende August sammeln. NICHT roh essen, gerade bei Kindern können rohe Beeren starkes Erbrechen und Durchfall auslösen. Verarbeite die Früchte also direkt nach dem Sammeln. 

Inhaltsstoffe & Wirkungsbereich

Die Blüten enthalten Flavonoide, ätherisches Öl, Gerb- und Schleimstoffe. Flavonoide wirken zell- und gefäßschützend, in den Holunderblüten wirken sie vor allem schweißtreibend, indem die Thermoregulation im Hypothalamus angeregt wird. Die Gerb- und Schleimstoffe liefern die Basis für Reizhustenlinderung, indem sie sich über die entzündeten Stellen legen und somit Viren und Bakterien quasi ersticken. Außerdem wird der Bronchialschleim vermehrt, was wiederum den trockenen Husten lindert. 

Holunderbeeren enthalten unter anderem ätherische Öle, Zucker, zahlreiche Vitamine (A, B, C), Folsäure, Gerbstoffe, Kalium, Kalzium, Phosphor und schwach giftige Glykoside, darunter Sambunigrin, das Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Allerdings zerfällt der Inhaltsstoff beim Erhitzen und wird somit unschädlich gemacht. Laut Studien können die Beeren das Eindringen von Viren in die Schleimhaut verhindern und reduzieren dadurch sowohl Krankheitsfälle, als auch die Dauer der grippalen Infektion. (Mehr dazu findest du im Lehrbuch Heilpflanzenkunde von Ursel Bühring*“)  

Naturkosmetischer Einsatzbereich

Der Schwarze Holunder wird auch gerne in der Naturkosmetik verwendet. Mit den Blüten kann eine wohltuende, entzündungshemmende Handcreme gemixt werden. Aus den Blättern hat man früher eine Salbe hergestellt, die Blutergüsse und Venenleiden lindern sollte. Man nannte sie Unguentum sambuci viride.

Kulinarischer Einsatzbereich

Auch kulinarisch kann die Pflanze vielseitig verarbeitet werden. Am besten sind natürlich Süßspeisen und Getränke. Mit den Blüten kann man Küchlein backen, Sirup und Gelee kochen, Limonaden ansetzen und Tee mischen. Die Beeren eignen sich fantastisch für einen weihnachtlichen Likör oder Sirup, der dann für einen einzigartigen Punsch verwendet werden kann. Auch Mus und Marmelade kann mit den Beeren hergestellt werden, vermischt mit Äpfeln und Zimt schmeckt das einfach herrlich.

Für einen Tee übergießt man 2 TL Blüten mit ¼ l kochendem Wasser und lässt ihn ca. 7 Minuten zugedeckt ziehen. 

Geschichte, Mystik & Brauchtum

“Holuntar” ist ein althochdeutsches Wort, das übersetzt so viel wie “Baum der Holla” bedeutet. So wurde der Strauch seit langem mit Frau Holle in Verbindung gebracht, die die Betten ausschüttelt und es schneien lässt – was wiederum auf die weißen Blüten deuten soll.

Am Tag der Sommersonnenwende tauchte man die Hollerblüten in Bierteig, der in Schmalz ausgebacken wurde. Dieses Schmalz wurde dann als Salbe weiterverwendet. Wer zu Johanni Hollerküchlein isst, springt am weitesten über das Sonnwendfeuet. Im Volksglauben gilt die Pflanze auch als Schwellenbaum, er begleitet Leben und Tod und soll in allen Lebenslagen Schutz bieten. Das war und ist auch der Grund, warum er an besonderen Tagen, wie bei Geburt oder Hochzeit, verräuchert wird. Außerdem schützt er Haus und Hof, deshalb muss der Riegel einer Stalltür immer aus Hollerholz gemacht sein. 

Man sagt auch, dass sich der Holunder seinen Platz selbst aussucht, wird er dann abgeholzt, bedeutet es großes Unglück. Dieser Glaube war so weit verbreitet, dass sich Bauern aus Angst strikt weigerten, den Baum zu fällen. Auch in russischen Volksmärchen wird vom Schutzgeist des Holunderstrauchs geschrieben.

Die dunklen Holunderbeeren hat man früher unter Rotwein gemischt, um eine schönere, intensivere Farbe zu erhalten.  

Umwelt-Aspekte

Der Schwarze Holunder ist eine Stickstoffzeigerpflanze, wo er wächst, ist der Boden reich an Stickstoff. 
Angeblich kann man Wühlmäuse aus dem Garten verscheuchen, indem man Jauche aus Holunderblättern in die Gänge leert. 


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