Breit- & Spitzwegerich – Plantago major & lanceolata
Pflanzenaufbau & Erkennungsmerkmale
Der Breitwegerich (Plantago major) gehört mit seinem Verwandten dem Spitzwegerich (Plantago lanceolata) zu der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Die Namen leiten sich von der Form ihrer Blätter ab.
So hat der Breitwegerich sehr breite Blätter, die aus einer Grundrosette wachsen und mit 5-9 Längsnerven gekennzeichnet sind. Sie sind außerdem deutlich gestielt. Alle zwei Arten haben einen blattlosen Stängel, auf dem sich die Blüte bildet. Plantago major hat einen langen, dünnen Blütenstand, eine bis zu 10 cm lange Ähre, die sich wie eine Lanze dem Himmel empor streckt. Auf ihr sitzen grüne, unscheinbare Blüten auf feinen weißen Stielen, die zwischen Juni und Oktober zu sehen sind.


Der Spitzwegerich blüht zwischen Mai und September. Er bildet spitze, lanzettliche Blätter, mit 3-7 Längsnerven, die ebenfalls aus einer Grundrosette wachsen. Die unscheinbaren Blüten sitzen auf einer Knospe, die immer wieder neu entsteht. Die langen Staubbeutel bilden einen weißen Kranz rund um die kurze Ähre. Beide Pflanzen werden durch den Wind bestäubt. Die Blüten weisen weder Duft noch Nektar auf.
Die Samen der Wegeriche sind bis zu 60 Jahre keimfähig.
“Wegerich” bedeutet “Beherrscher des Weges” – diesen Namen haben sich die Pflanzen redlich verdient. Denn was einem auf jedem Weg auffällt, ist der Breit- und Spitzwegerich.


Sammeln & Trocknen
Gesammelt werden hauptsächlich die Blätter. Sie können sowohl frisch, als auch getrocknet verwendet werden. Achte dabei darauf, dass die Blätter an einem trockenen, dunklen Ort gelagert werden. Sobald die Blätter feucht werden oder das Trocknen zu lange dauert, verfärben sie sich braun und können nicht mehr verwendet werden.
Die Samen des Breitwegerichs können im Herbst abgestreift werden.
Inhaltsstoffe & Wirkungsbereich
Breit- und Spitzwegerich weisen unter anderem folgende Inhaltsstoffe auf: Aucubin, Acteosid, Schleim- und Gerbstoffe, Flavonoide, Zink und Kieselsäure.
Die Schleimstoffe wirken auswurffördernd und können vor allem bei trockenem Husten eine Wohltat sein. Sie legen sich über die trockenen, entzündeten Stellen und schaffen schnelle Linderung. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend. Das Aucubin wirkt antibakteriell. Die Flavonoide wirken entzündungshemmend und Zink fördert die Wundheilung.
Bei Wespen-, Bienen- und Gelsenstichen sind die Blätter der Pflanzen das ideale Erste-Hilfe-Tool. Werden die Blätter zerquetscht, tritt der kühlende und juckreizlindernde Saft aus, den man auf den Stich auftragen kann. Auch als Natur-Pflaster bietet er sich an, bei kleinen Schnitt- und Schürfwunden kann der Pflanzenbrei aufgetragen werden und die Blutung stoppen.
Naturkosmetischer Einsatzbereich
Bei entzündeten und unreinen Hautstellen kann eine Wegerichsalbe helfen. Die enthaltenen Gerbstoffe entziehen Bakterien die Nährstoffe und unterstützen so die Haut.
Kulinarischer Einsatzbereich
Wegeriche sind kulinarisch vielseitig einsetzbar. Die Samen können getrocknet werden und in Brötchenteig oder Gemüselaibchen gemischt und über Müsli gestreut werden.
Die jungen Blätter können unter Salate gemengt werden, man kann auch Suppen damit kochen. Größere Blätter kann man fantastisch füllen, mit Reis, Getreidemischungen, Gemüse oder Schafskäse. Zu beachten ist, je älter die Blätter, desto zäher.
Für einen Tee werden 2 TL Kraut mit ¼ l kochendem Wasser übergossen. Nach ca. 15 Minuten Ziehzeit kann der Tee getrunken werden. Hier findest du übrigens alle Infos zur Teezubereitung.
Geschichte, Mystik & Brauchtum
“Planta” bedeutet Fußsohle und bezieht sich bei den Wegerichen darauf, dass sie trittfest sind. Außerdem bleiben die schleimhaltigen Samen an den Sohlen, Hufen, Reifen und Pfoten kleben und verbreiten sich dadurch.
Schon in der Jungsteinzeit wurde der Wegerich als Heil- und Nahrungsmittel verehrt.
Anfang des 20. Jahrhunderts teilte man die Pflanzen den Geschlechtern zu. Der Spitzwegerich wurde ausschließlich Männern zugeordnet, weil er einem Phallus gleicht. Der Breitwegerich wurde nur den Frauen verschrieben, weil er einer Vagina ähnlich sehen soll.
Traditionell werden zur Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche (Ostara – 20.-23. März) Kräuter für die “Grüne Suppe” gesammelt. Darunter befindet sich auch der Wegerich. Die Suppe soll Fruchtbarkeit und Heilkraft versprechen.
Umwelt-Aspekte
Die Samen der Wegeriche sind wertvolles Futter für viele Vögel und Mäuse. Jede Pflanze bildet zwischen 14.000 und 20.000 Samen.