Gewöhnlicher Frauenmantel – Alchemilla vulgaris
Pflanzenaufbau & Erkennungsmerkmale
Der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae) und wächst auf Weideflächen, in Wiesen und Waldrändern. Die mehrjährige Pflanze wächst bis zu 30 cm aus einer grundständigen Rosette in die Höhe und blüht von Mai bis September. Die Blüten sind gelbgrün, sehr klein und als Rispe angeordnet. Die Blätter erinnern an einen Mantel, daher auch der Name. Sie sind nierenförmig, dunkelgrün, gesägt und 5-11 lappig. Der Gewöhnliche Frauenmantel wird sehr oft mit dem Samt-Frauenmantel (Alchemilla mollis) verwechselt. Dieser ist stark behaart und sehr weich. Diese Art kommt sehr oft in Gärten vor.
Auf den Blättern des Frauenmantels kann man wunderbar ein Pflanzenphänomen beobachten, den Guttationstropfen. Nicht zu verwechseln mit Tautropfen. Die Pflanze zieht durch einen Sog überschüssiges Wasser und Mineralstoffe aus sich heraus und bildet über ihre Blattspitzen einen Tropfen. Der Guttationstropfen wird also aus der Pflanze heraus gebildet.
Sammeln & Trocknen
Gesammelt werden kann das ganze Kraut. Achte dabei darauf, dass es trocken ist – vor allem wenn du für Tee sammelst, sollten die Pflanzenteile nicht mehr feucht sein.
Inhaltsstoffe & Wirkungsbereich
Die Pflanze enthält unter anderem Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide, Mineralstoffe und ätherische Öle.
Durch die Gerbstoffe wirkt der Frauenmantel zusammenziehend, stopfend und entzündungshemmend, daher wird er seit langem bei Durchfall eingesetzt. Das ist auch die einzige wissenschaftlich belegte Anwendungsart der Pflanze.
Trotzdem schwört man in der Frauennaturheilkunde auf den Frauenmantel. Er wird bei Menstruationsbeschwerden, Ausfluss, Scheidenpilz und in der Geburtsheilkunde eingesetzt. Er soll die Gebärmutter und das Bindegewebe stärken, die Wundheilung nach der Geburt unterstützen, Milchbildung fördern und Brustdrüsenentzündungen lindern. Auch in den Wechseljahren soll der Frauenmantel ein treuer Begleiter sein.

Naturkosmetischer Einsatzbereich
Auch äußerlich wirkt Alchemilla vulgaris entzündungshemmend und adstringierend (=zusammenziehend), deshalb wird sie gerne in Hautcremen oder als Gesichtswasser verwendet. So soll sie auch gegen Akne unterstützen und das Bindegewebe stärken.
Geschichte, Mystik & Brauchtum
Unter der Gattung Alchemilla gibt es rund 1.000 Arten, 300 davon sind schwer voneinander zu unterscheiden. Man sagt, der Frauenmantel sei die älteste Schwester der Rose, denn es gibt ihn schon seit 60 Millionen Jahren.
Auch die Mystik ist an der Pflanze nicht vorbeigegangen. Ihr lateinischer Name “Alchemilla” bezieht sich auf die Alchemisten, die aus dem Guttationstropfen das Elixier für das ewige Leben brauen wollten. Auch den Stein der Weisen oder generell Gold wollte man aus dem Tropfen herstellen. Man nannte ihn auch “Lebenswasser” oder “himmlisches Wasser”. Die Druiden vollzogen mit den gesammelten Tropfen rituelle Reinigungen. Mit dem Rest der Pflanze wurde allerdings “nur” geräuchert und gezaubert. Vor allem um Verwünschungen und Flüche aufzuheben.
Heilpraktisch wurde sie erst ab dem Mittelalter verwendet. Der Frauenmantel wurde bei Menstruationsbeschwerden und in der Vor- und Nachsorge bei Geburten eingesetzt. Die großen Kräutermänner wie Dioskurides, Hippokrates und Galenus schenkten der Pflanze wenig bis gar keine Beachtung. Bei Hildegard von Bingen wiederum stand der Frauenmantel ganz oben auf der Liste.